Die Geschichte des 8. Zugs

Erzählt von Ernst Raulfs, Ehrenmitglied und Ehrenhauptmann im Uniformierten Schützenkorps

Am Anfang waren die Nachwehen des verlorenen Weltkrieges im Uniformierten Schützenkorps zu überwinden.

Viele Schützenbrüder waren gefallen. Das Vereinsleben und die unserem Verein eigene Schützentradition mit dem Schießsport und das Marschieren mit aktiven Waffen fand bei den neuen und zum Teil auch alten Bürgern unserer Stadt keine rechte Resonanz mehr.

Zu groß war, teils verständlich und aus Unkenntnis, die Abneigung gegen das Umgehen mit Waffen und alles, was in etwa nur den Anschein hatte, militärische Charakterzüge zu haben.
Zusätzlich kam noch das Verbot der englischen Militärregierung, dass keinerlei Halten und Tragen von Waffen jeglicher Art erlaubt sei.

Erstes Schützenfest nach dem Kriege

Der 8. Zug 1951 mit Leutnant Richard Poppe

Heimatliche Eintracht und Bürgersinn ließen unseren damaligen Vereinsvorstand und alle alten Mitglieder nicht ruhen noch raten, um unser traditionsreiches Schützenfest mit dem ausschießen der Königswürde wieder in Gang zu bringen.

So treffen sich im September 1949 einige Mitglieder des Korps, um die Wiedereinführung des Schützenfestes in die Wege zu leiten.
Nach langen Debatten wird beschlossen, diese Anregung dem Bürgermeister, den Ratsherren und dem englischen Stadtkommandanten zu unterbreiten.

Mit großer Genugtuung wird festgestellt, dass die Genehmigung zum Ausmarsch und zum feiern des Schützenfestes für das Jahr 1950 erlaubt wird. Uniformen sind noch nicht erlaubt; aber weiße Hosen und dunkle Jacken tun es auch. Großzügigerweise wird das schießen mit dem Luftgewehr erlaubt.

Der 8. Zug wird gegründet

Schützen des 7. und 8. Zuges 1953 - auf dem Marktplatz mit Fahne der 3. Kompanie

Das Kommando unter Führung von Major Otto Prilop beauftragte Unteroffizier Richard Poppe vom 7. Zug, einen neuern achten Zug zu gründen. Diese Korpsmaßnahme war nötig, da viele Neuzugänge in den Reihen unseres Vereins zu vermelden waren. Schon vor längerer Zeit hatte es einen  nicht ganz offiziellen 8. Zug gegeben, und zwar „das lege Rott“ ( die laue Rotte). Somit war Richard Poppe zum Zugführer des 8. Zuges bestimmt worden; aber noch kein Leutnant. Einige neue Mitglieder des Korps, von Optimismus beseelt und vom neuen Zugführer umworben, schlossen sich der neugegründeten Formation an. Die Aufnahmeformalitäten wurden manchmal mit allerlei Tricks und ausgefallener Raffinesse durchgeführt.
Um mit den anderen Traditionszügen des Korps im Schießen um die Königswürde konkurrieren zu können, wurde sofort mit dem Übungsschießen begonnen. Auf dem veralteten Saal der Gastwirtschaft „Stadt Hamburg“ unseres Mitglieds Oskar Salge, der ein Jahr später unser Zugfeldwebel wurde, wird für jeden Donnerstag Schießen angeordnet. Zwei Jahre lang wir noch mit alten Luftbüchsen, bei ab und zu verstopften Gewehrläufen und wackeligen Fußbodendielen, eifrig geübt. Aus diesen ersten Treffen entsteht die etwas später ins Leben gerufene Schießgruppe unseres Korps. (Nachzulesen im Bericht „Die Schießgruppe im Wandel der Zeiten“)

Vollwertig und anerkannt

Der 8. Zug mit Leutnant Ernst Raulfs und Zugfeldwebel Oskar Salge
Um den Zug wie die anderen Züge zu organisieren, wurde von Richard Poppe größter Wert auf Disziplin gelegt.
Hierbei hatte er allerdings keine großen Schwierigkeiten zu überwinden, da fast alle Mitglieder der ersten Stunde ehemalige Soldaten und mit Begeisterung bei der Sache waren.
 
Am 25. Februar 1951 wurde die erste offizielle Generalversammlung des Korps einberaumt, hier wurde dann unser Zugführer zum Leutnant gewählt.
Damit hatte unser neu gegründete Zug seinen ersten Offizier erhalten.
 
Jetzt konnte auch der 8. Zug im Korps vollwertig und anerkannt wie die anderen Züge auftreten. So schweißten sich die Kameraden durch Ausmarsch, Umtrunk, Frühstück, Schießen, Tanzen und gemütliches Beisammensein zu einer Einheit zusammen.

Das Holzgewehr wurde eingeführt

Vorbeimarsch 1958
Auf der Generalversammlung am 9. März 1952 beantragte der bis dahin gewesene Adjutant Max Merbach aus Wohnungs- und Altersgründen seinen Rücktritt.
Die Neubesetzung dieses wichtigen Postens verlangte von unseren Korps sehr viel Verstand und Fingerspitzengefühl.
 
Gleichzeitig sollte der neue Adjutant als Nachfolger von Major Otto Prilop eingearbeitet werden. Einziger Vorschlag für das Amt als Adjutant war unser gerade gewählter Zugführer Richard Poppe. Unser Zug stand nun wieder vor der Aufgabe, einen neuen Zugführer zu benennen. Nach kurzer Beratung kamen unsere Kameraden überein, mich der Versammlung als neuen Leutnant vorzuschlagen. Zwei Monate später wurden Richard Poppe als Adjutant und ich als neuer Leutnant des 8. Zuges beim Pfingstausmarsch bestätigt.
 
Am gleichen Tag wurde Unteroffizier Willi Calberlah, der Vater von unseren Schützenbrüdern Host und Helmut Calberlah, zum Schießoffizier befördert.
Dieses Amt hatte unser Leutnant Richard Poppe bis dato nebenher ausgeführt.
Im weiteren Verlauf der Versammlung wurde nach einigen Hin und Her beschlossen, mit Holzgewehren zu marschieren.
 
Wie sich später herausstellte, wirkten diese hölzernen Waffen gar nicht so komisch. Im Gegenteil, sie erscheinen in ihrer Einheitlichkeit geordneter als die unterschiedlichen Flinten vorausgegangener Schützenfeste.
 

Nachdem sich im September 1952 der Deutsche Schützenbund wieder etabliert hatte, wurde nach Ablauf des Jahres beschlossen, diesem beizutreten. Damit wurde auch gleichzeitig die bis dahin noch ungelöste Uniformfrage geklärt. Es wird ab sofort nur noch die amtliche Schützenuniform getragen.

Der Aufschwung ging voran

In den nächsten Jahren können wir Dank gutem disziplinierten Auftreten und Marschieren viele Neuzugänge in unseren Reihen aufnehmen.
Trotz guter Schießleistungen unserer Sportschützen auf der Masch  will es uns nicht gelingen, die Königswürde zu erlangen.
 
Diese hohe Auszeichnung für unseren Zug sollte erst Jahre später einem uns allen bekannten Kameraden beschert sein.
Andermänner sind fast jedes Jahr aus unseren Reihen beim Schützenkönig zu finden.
Dank seiner guten schießsportlichen Leistungen konnte unser Schützenbruder Horst Calberlah 1954 beim Süd-Schützenkorps die Jungschützen-Königswürde erlangen.

Diese neue Version im gesamten Gifhorner Schützenwesen, der sogenannten jungen Gesellschaft Gelegenheit zum sportlichen Schießen zu geben, wurde erstmalig von dem neuen Verein in der Südstadt ins leben gerufen. 

Unserem Schützenbruder Horst Calberlah gelang es dann, zweimal König der Stadt Gifhorn zu werden, und zwar in den Jahren 1970 und 1976.

Erstmalig wieder Kinderschützenfest

Nach langer Anlaufzeit und auf Drängen unseres Korps führte die Stadt 1955 das Kinderschützenfest wieder ein.
Dieses erfreute sich nun von Jahr zu Jahr größter Beliebtheit. Am 10. Oktober 1954, anläßlich der Generalversammlung, wird unser Adjutant zum Major unseres Korps vorgeschlagen und gewählt.

Sein Vorgänger Prilop schied vorher durch Erreichen der Altersgrenze und auf eigenen Wunsch aus.
Neuer Adjutant wird Schützenbruder Rudolf Guthardt vom 7. Zug.

Auch in diesem und in den darauffolgenden Jahren wächst unser Zug zu einer beneidenswerten Stärke an.
Viele Kameraden aus unseren Reihen wurden in dieser Zeit zu Gefreiten, Unteroffizieren und zum Fahnenfeldwebel befördert.

Um den Schießsport in unserem Zug eine zusätzlich interessante Trainingsmöglichkeit, gespickt mit lustig-reizvollen Sondereinlagen zu geben, kam ich auf die Idee, in der Fastenzeit, kurz vor Ostern, das uns allen bekannte Ostereierschießen und Eierwerfen zu veranstalten.

Einige Schützenbrüder zeigten zwar Bedenken an und warfen ihre Karitative Seele in die Waagschale, aber Dank disziplinierten Verhaltens was die Einigkeit bald wieder hergestellt.
Dieses Schießen und Eierwerfen erfreut sich bis heute größter Beliebtheit und ist aus unserem Veranstaltungskalender nicht mehr fortzudenken.

Aus Krankheitsgründen mußte unser Zugfeldwebel Oskar Salge sein Amt niederlegen.
Am 6. Juni 1963 wurde Unteroffizier Horst Calberlah zum neuen Zugfeldwebel des 8. Zuges gewählt.

Auf der Generalversammlung am 7. März 1965 wurde vom Kommando bekannt gemacht, daß neue Offiziersstellen besetzt werden müßten.
Unter anderem war die Neubesetzung mit einem Führer der dritten Kompanie vorgesehen. Als Hauptmann dieser Formation wurde ich, als dienstältester Leutnant unseres Korps, vorgeschlagen und gewählt.

Unser Zugfeldwebel Horst Calberlah, der sich schon von Anfang an um das Schützenwesen und die Belange im 8. Zug verdient gemacht hatte, wurde von unseren Mitgliedern und mir spontan zum Leutnant des 8. Zuges vorgeschlagen und beim nächsten Pfingstausmarsch im Offiziersraum des Schützensaales durch den Major und das anwesende Offizierskorps bestätigt.

Viele Jahre – von 1965 bis 1990 – Führte ich dann die dritte Kompanie als Hauptmann und Kompanieführer an.
Auch die Zugführung im 8. Zug wechselte im Laufe der nächsten Jahre noch mehrmals.

So führte den Zug von 1979 bis 1988 Leutnant Erhard Höwer und von 1988 bis 1993 Leutnant Wolfgang Raulfs und seit 1993 Siegfried Richter.

Wenn ich nun dem 8. Zug auch nicht mehr aktiv dienen kann, so bin ich doch stolz, ihm weiterhin als Mitglied angehören zu dürfen.

Möge der 8. Zug unter der Führung von Leutnant Siegfried Richter den Schützengeist und die Kameradschaft weiter pflegen, so werden die Erfolge nicht ausbleiben, damit er weiterhin blüht und gedeiht und einer der Eckpfeiler unseres Uniformierten Schützenkorps ist.